Herr Dr. Steguweit (Mitte) überreicht die restaurierte Handschrift an Frau Cornelia Hopf und Herrn Christan Kreienbrink (Forschungsbibliothek Gotha)

 


 

Spendenaufruf erfolgreich

Bibliotheksfreunde retten wertvolle Handschrift

 

Mithilfe eines vom Freundeskreis der Forschungsbibliothek Gotha e.V. gestarteten Spendenaufrufs konnte eine Sammlung von Gelehrtenbriefen aus dem 17. Jahrhundert restauriert werden.

Im vergangenen Jahr waren Mitarbeitern der Forschungsbibliothek bei den Vorbereitungen zu einer astronomiegeschichtlichen Ausstellung auf den Sammelband gestoßen. Dabei wurde  der schlechte restauratorische Zustand des Bandes festgestellt. Die Bibliotheksleitung, Dr. Kathrin Paasch, bat den Freundeskreis um Unterstützung. Der half gerne: Im Rahmen der  Ausstellung „Himmelsspektakel“ wurde der Sammelband gezeigt und ein Spendenaufruf initiiert. In der Ausstellung, in der Presse und im Internet wurde um Unterstützung gebeten. Dank der zahlreichen Spenden kann der Freundeskreis nun insgesamt 3.000 Euro für die Restaurierung bereitstellen. „Ich bin beeindruckt von dieser Spendenfreudigkeit“, freut sich Dr. Wolfgang Steguweit, Vorsitzender des Freundeskreises der Forschungsbibliothek Gotha. „Das zeigt, dass die Bibliothek viele Freunde hat, die ihr mit Tatkraft zur Seite stehen.“   

Der Sammelband umfasst Briefe von Günther Heinrich Plathner (1592-1657), der als Hofrat im Dienst von Sachsen-Weimar stand. Der Gelehrte Plathner befand sich unter anderem im Austausch mit den Jenaer Professoren für Mathematik, Physik und Astronomie Erhard Weigel und Johannes Zeisold sowie den Gothaer Gymnasiallehrern Andreas Reyher und Johann Weitz. Die Korrespondenz umfasst den Zeitraum von 1637 bis 1657. Weigel und Reyher stehen  für die astronomische Tradition des Herzogtums Sachsen-Gotha unter Ernst dem Frommen. Die Handschrift ist ein bedeutendes Zeugnis für das enzyklopädische Interesse frühneuzeitlicher Gelehrsamkeit.

Im Rahmen der Restaurierung wurden Risse am Papier beseitigt und Blätter stabilisiert. Die im Band zusammengefassten Schreiben wurden nach der Bearbeitung nicht wieder gebunden.  Die einzelnen Briefe werden jetzt in säurefreien Mappen in Kassetten bewahrt – eingeheftetes Seidenpapier schützt die einzelnen Dokumente voneinander. „Das erleichtert auch die Nutzung für die künftigen Forscherinnen und Forscher“, erklärt Christian Kreienbrink, Restaurator an der Forschungsbibliothek Gotha. Die Kosten der Restaurierung belaufen sich insgesamt auf rund 5.300  Euro.

 

Der Vorstand des Freundeskreises übergab den Band am Mittwoch, den 23. November, 2016, 16.30 Uhr, der Leitung der Forschungsbibliothek. 

 

 

 

Mittwoch, 26. April 2017, 18:15 Uhr

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Das 17. und 18. Jahrhundert war entscheidend geprägt durch die Hochschätzung praktischer Wissenschaften und Künste. So gehörten Studium und Labor – Theorie und Praxis – unabdingbar zusammen. Dazu gehörten auch entsprechende Sammlungen. Nicht Kunst und Kuriositäten, sondern Naturalien, Modelle und wissenschaftliche Instrumente wurden dort gesammelt und gebraucht. Die zeitgenössisch so bezeichneten oeconomischen Cabinette vereinten Material-, Modell- und Instrumentensammlungen für den nützlichen Gebrauch in den verschiedensten ökonomischen Wissensbereichen wie Land- und Forstwirtschaft, Bergbau und Wasserkunst, Manufakturwesen und (Material-)Handel, Architektur und Bauwesen, Pharmazie und Technologie. Sie wurden dabei in aller Regel als Lehrkabinette genutzt: in Schulen, Ritterakademien und Universitäten, in Akademien und ökonomischen oder wissenschaftlichen Gesellschaften, ebenso wie bei Handwerkern und Künstlern, in der privaten Vorführung wie in der eigenen Beschäftigung des Sammlers mit seinen Objekten, die oftmals aus seinem beruflichen Kontext rührte. Im Vortrag wird ein erster Überblick, über solche, bisher meist unbeachteten Sammlungen gegeben.

Shirley Brückner studierte u.a. Evangelische Theologie, Geschichte, Zeitgeschichte und Germanistische Literaturwissenschaft in Marburg und Halle und promovierte 2010 mit einer Arbeit über die „Kulturen der Berechenbarkeit. Religiosität und Lebensführung im Pietismus“. Nach ersten Jahren im Interdisziplinären Zentrum für Pietismusforschung (IZP) an der Universität Halle-Wittenberg, leitete sie die älteste evangelische Kirchenbibliothek, die Marienbibliothek in Halle. Im Anschluss war sie Kuratorin der großen Sonderausstellung zur Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses („Leben nach Luther“) am Deutschen Historischen Museum in Berlin. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungs- und Erschließungsprojekt „Bildungslandschaft und Wissenskultur“.  

Der Vortrag setzt die internationale Vortragsreihe „Gothaer Vorträge zur Bildungsgeschichte der Frühen Neuzeit“ fort, die gemeinsam von Forschungsbibliothek und Forschungszentrum organisiert wird. Die Vortragsreihe ist Teil des bis Ende April 2017 vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft geförderten Projekts „Bildungslandschaft und Wissenskultur. Sammlungsbezogene Forschung zur frühneuzeitlichen Bildungsgeschichte des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg“, mit dem beide Institutionen eine langfristige Profilbildung auf dem Gebiet der frühneuzeitlichen Bildungsgeschichte anstreben. Mit dem neuen Themenschwerpunkt des Sammlungs- und Forschungsverbundes Gotha sollen nun auch verstärkt die Naturwissenschaften in den Blick kommen.

 

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