Freundeskreis der Forschungsbibliothek Gotha e.V.

besuchte die ehemalige Residenzstadt Altenburg

und einige ihrer berühmten Sehenswürdigkeiten

 

 

 

 

Im nunmehr zehnten Jahr seines Bestehens unternahmen am 28. Mai 2016 Mitglieder und Freunde des Vereins wiederum eine sehr interessante Exkursion. Ziel des diesjährigen Tagesausfluges war die einstige Reichsstadt und kursächsische Residenz, die heutige Kreisstadt im Altenburger Land. Hier weilten Kaiser und Könige, residierten Kurfürsten und Herzöge, lebten Adel, Bürgertum und Bauernschaft. Hier prägten durch ihr Wirken fleißige Persönlichkeiten die Blüte der Stadt im Wandel der Geschichte.

Mit Residenzsschloss, und St. Bartholomäuskirche verbinden sich authentische Orte der Reformation und des Wirkens von Georg Spalatin, ein großer Protagonist, Freund und Weggefährte Luthers. Spalatin lebte ab ca. 1525 in Altenburg, war dort Pfarrer und später Superintendent; er begleitete maßgeblich den Aufbau der Landeskirche. Seine Beziehungen zu Erfurt und Gotha erfuhren die Teilnehmer während der Führung durch die ihm gewidmete Ausstellung: Er studierte ab 1498 an der Universität in Erfurt, auch Theologie, ging sechs Jahre später in das Zisterzienserkloster Georgenthal und hatte dort ein geistliches Amt inne. Die Forschungsbibliothek Gotha bewahrt in der Spalatiniana Teile seines  amtlichen und privaten Nachlasses, sowie ein selbstangelegtes Verzeichnis seiner Privatbibliothek. Als Spalatin 1545 in der Altenburg stirbt, hatte er Maßstäbe, allein in der Finanzverwaltung  der städtischen Kirchen und Schulen, gesetzt.

Im Schloss-und Spielkartenmuseum sind zudem 1000 Jahre Baugeschichte, fürstliche Wohnkultur und kunsthandwerkliche Sammlungen zu sehen. Die Besucher waren fasziniert: von der Innenausstattung der Schlosskirche, die ihr ursprüngliches Erscheinungsbild aus dem 15. Jahrhundert bewahrt hat, von dem Klang der Trost-Orgel, die ihnen ein Ständchen aus Bachschen Kompostionen brachte.

Weitere Persönlichkeiten gehören zu Altenburg: Kaiser Friedrich I Barbarossa, der Verleger und Lexikograf Friedrich Arnold Brockhaus, der hier die 2. Auflage des Conservations-Lexikons verfasste. Der Komponist Johann Ludwig Krebs war Organist am Hofe Friedrich III.

Das Nachmittagsprogramm füllte der Besuch des Lindenau-Museums. Dem sächsischen Regierungschefs Bernhard von Lindenau verdankt Altenburg eine der grössten Sammlungen von frühen italienischen Tafelbildern nördlich der Alpen. In seinem Testament stiftet er den Fundus dem Herzogtum Sachsen-Altenburg; der  ist unverkäuflich an die Stadt gebunden! Das Museum gehört zu den 20 bedeutsamen Kultureinrichtungen in Ostdeutschland.

Auch bei Lindenau finden sich Parallelen zu Gotha: Hier begannen 1801 seine astronomischen Studien unter Franz Xaver v. Zach; drei Jahre später wurde er der Nachfolger seines Lehrmeisters als Direktor der Seeberg-Sternwarte.

Außerdem hatte der in Altenburg geborene und dort verstorbene Mehrfachbegabte ab 1822 Ämter am Gothaer herzoglichen Hofe inne: als Minister und Geheimer Rat, er übernahm sogar die Regierungsgeschäfte für den kranken Friedrich IV. Mit dem Beinamen „Herzog Bernhard“ wurde wohl auch seine umsichtige Arbeit am Gothaer Hof gewürdigt.

Außerdem gründete er zusammen mit Zach eine Stiftung zur Förderung junger Künstler und Techniker.

Im Lindenau—Museum wurden die Exkursionsmitglieder gut empfangen und sogar bewirtet. Inmitten der Sammlung wertvoller Gipsabgüsse konnten wir bei Kaffee und Kuchen einen Augenblick entspannen, das Gesehene Revue passieren lassen - und miteinander plaudern.

 „Ich habe in den fünf Monaten meines Altenburger Aufenthaltes geistig mehr erlebt, als manchem Erdenkinde im ganzen Leben beschieden sein wird.“ schrieb Friedrich Arnold Brockhaus 1811.

Ähnliche Gefühle empfanden die 48 Mitglieder des Freundeskreises und Bibliotheksenthusiasten während dieses wunderbaren, mit Spürsinn durchdacht, organisierten Tagesausfluges! Dank verdienen Frau Carola Höner und Frau Annette Gerlach.

Zur Mitgliederversammlung am 8. Juni 2016 wird es u. a. auch weitere Vorschläge für ein neues Reiseziel im kommenden Jahr geben.

Rotraut Greßler