Exkursion nach Zeitz am 25. April 2015

 

 

Bereits zum sechsten Mal hatte der Freundeskreis der Forschungsbibliothek Gotha e.V. am 25. April 2015 zu seinermittlerweile traditionellen Bildungsreise eingeladen.  Die Vorfreude war groß – das Ziel war dieses Jahr Zeitz in Sachsen-Anhalt, ein Ziel, über das wir in den Mitgliederversammlungen schon oft gesprochen hatten. In diesem Jahr sollte es also endlich wahr werden! Was würden wir wohl zu sehen bekommen? Das Programm, das Carola Höner und Annette Gerlach zusammengestellt hatten, war sehr vielversprechend.  Im bis auf den letzten Sessel besetzten Reisebus war die freudige Aufregung mit Händen zu greifen.

Bei gutem Reisewetter ging die Fahrt über Autobahn und Bundestraße reibungslos voran. Eingestimmt wurden wir von Gudula Leidner, die historische Eckdaten zum Reiseziel vortrug und noch einmal knapp das Programm vorstellte. 

Schon bei der Ankunft in Zeitz waren wir überwältigt. Uns empfing das barocke Ensemble der Moritzburg Zeitz. Dazu gehören das dreiflügelige Schlossgebäude, die Schlosskirche St. Petzer und Paul und zahlreiche Nebengebäude. Errichtet wurde das Schloss nach dem Dreißigjährigen Krieg zwischen 1657 und 1667 als Residenz des Herzogtums Sachsen-Zeitz. Zuvor hatte dort eine Bischofsburg gestanden, die im Krieg stark beschädigt worden war. Schloss Moritzburg gehört zusammen mit Schloss Friedenstein zu den herausragenden festungsähnlichen Residenzen auf dem Gebiet der Wettiner.

Als Freundeskreis der Forschungsbibliothek Gotha interessieren wir uns natürlich ganz besonders für historische Bibliotheken. Deswegen begannen wir unseren Besuch in Zeitz mit einer Besichtigung der Stiftsbibliothek, die sich seit einigen Jahren in einem Teilgebäude von Schloss Moritzburg befindet.  

Der Bestand  Stiftsbibliothek setzt sich aus verschiedenen Sammlungen zusammen. Dazu gehören die bischöfliche Bibliothek und die Institutsbibliothek des Zeitzer Kollegiatsstifts St. Peter und Paul. Der bedeutendste Bestand ist die Privatbibliothek von Bischof Julius von Pflug (1499-1563). Julius Pflug war ein großer Universalgelehrter. Nach dem Studium in Leipzig und Bologna trat er in den Dienst der katholischen Kirche. Pflug war Zeitgenosse der Reformation und gilt als Gegenspieler Martin Luthers. Pflugs Büchersammlung mit ihren 1.200 Bänden hat die Umbrüche der Zeit gut überstanden und befindet sich immer noch am ursprünglichen Standort – das ist etwas Besonderes! Aber nicht nur darüber staunten wir bei der Führung durch die beiden jungen und engagierten Bibliotheksmitarbeiter. Vor uns wurden bibliothekarische Schätze ausgebreitet: dazu gehörten die Zeitzer Ostertafel aus dem 5. Jahrhundert und eine lateinisch- hochdeutsche Beichtvorlage aus dem 9. Jahrhundert, die aus der Zeit der Missionierung stammt. Schmunzeln mussten wir über die Zeitzer Weltkarte (1477), die gesüdet – also nicht genordet – ist, und die allerlei Kurioses aus der Weltsicht jener Zeit zu berichten wusste. 

 Im Anschluss an die Bibliotheksführung empfing uns eine freundliche Dame und führte uns durch die Räumlichkeiten von Schloss Moritzburg.  Das war noch einmal ein Eintauchen in die vergangene höfische Welt. Nachdenklich stimmte uns ein Raum, in dem Porträts der Herrscherfamilie auf ihrem Totenbett versammelt waren.

Wenige Räume weiter eine ganz andere Welt – das Deutsche Kinderwagenmuseum mit rund 500 Kinder- Sport- oder Puppenwagen gab viel Anlass, über eigene Erfahrungen zu berichten. Manch einer traf den Kinderwagen seiner Kindheit wieder oder freute sich an dem Kinderwagen, in dem die eigenen Kinder vor vielen Jahren über die Straßen geschoben worden waren.

So beschwingt und angeregt gingen wir in die Mittagspause. Bei einem herrlichen Essen und guten Getränken war viel Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Das Mittagsprogramm begann mit einer Führung durch den Dom St. Peter und Paul. Besonders beeindruckend war die Krypta, die mindestens auf das 11. Jahrhundert zurückgehen soll und die zu den ältesten Hallenkrypten in Deutschland gehört. 

 Danach löste sich unsere Reisegruppe in kleine Grüppchen auf. Manche wanderten durch den schön gestalteten Schlosspark rund um die Moritzburg. Andere gingen zur Michaeliskirche, in der sich noch eine der wenigen Originaldrucke von Luthers 95 Thesen aus dem Jahre 1517 befindet. Eine dritte Gruppe erlebte im „Unterirdischen Zeitz“ ein kleines Abenteuer: Ausgestattet mit Regenkutten und Sicherheitshelmen und bewaffnet mit Taschenlampen stolperten wir durch ein Gangsystem, das zur Lagerung von Bier zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert angelegt wurde.

Mit vielen Eindrücken machten wir uns dann auf den Heimweg zurück nach Gotha. Eines steht fest – Zeitz ist unbedingt eine Reise wert!